Oropax records: Waiting for Silence

Oropax Project: Waiting For Silence

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8-Bit-Samples, vier Spuren und viel Spaß am Krach: Hier kommt das legendäre Debüt-Album vom Oropax Project aus dem Jahre 1995 – liebevoll am Amiga 500 zusammengeschustert, immer wieder im Oberstufenraum an Unbeteiligten getestet und schließlich auf Kassette verewigt.

Musikalische Wundertüte für Illusionlose

Da kommt wirklich niemand auf seine Kosten: Klassik-Freunde erleiden völlig verhunzte Vier Jahreszeiten („Vivaldi goes Hardcore“), Kenner hochwertiger Interieurs werden von möbel-freien Dystopien erschreckt („No more Furniture“).  Pennälerhafter Bumshumor vergrault Volksmusikfans  („Heidi“). Und sonst so? Fröhlicher Verfall „(Happy Decline“), Krieg an Heiligabend („Celebration at War“), selbstreferenzieller Größenwahn („Face the Project“) und vorhersehbare Nebenwirkungen („The Chemist’s House“).

Warum trotzdem Oropax Project hören? Um die kostbare Stille hinterher umso mehr zu genießen? Haha, sehr witzig. Nein, es ist der Krach, der Wille zum Überzogenen, der auch 23 Jahre später mitreißt!

Beschränkt macht kreativ

Aber mal im Ernst: Es hat nicht nur Riesenspaß gemacht, alles zu samplen und durch den Kakao zu ziehen, was bei drei nicht auf dem Baum war. Zwar waren die technischen Möglichkeiten begrenzt: Amiga 500 mit damals luxuriösen 3 MB RAM, 4 Audio-Spuren (mit dem MusicMaker V8 sogar 8 Spuren, die in Echtzeit auf 4 physikalische Stimmen runtergerechnet werden), 28 kHz Samplingfrequenz mit dem Erweiterungsmodul TechnoSound Turbo II, keine Mikros, keine Synths.

Aber: Allein die technische Beschränkungen hat Kreativität und Fokus aufs Wesentliche erzwungen. Tausende Synth-Presets, Sample-Librarys, zig Drumsets, Effekte, subtraktive Klangsynthese und Filter – Fehlanzeige! Stattdessen galt es, mit offenen Ohren durch Tag und Nacht zu wandeln und sofort zu samplen, wenn etwas Verwertbares den Weg kreuzte, egal ob von CD, Platte, Hörspiel, TV – es musste nur möglichst frei liegen und entnehmbar sein. Auch die Disketten von Amiga-Spielen haben wir nach Samples abgesucht und wurden fündig. So hat die Technik auch den Stil entscheidend geprägt: Während aufwändige Pop-Produktionen hiermit in keiner Weise möglich schienen, war Hardcore-Techno auf diese Weise durchaus realisierbar.

Und während manche Schülerbands versuchten, Großes zu erschaffen, wandelten wir beim Oropax Project längst auf den Pfaden der fröhlichen Dekonstruktion – freilich ohne davon einen blassen Schimmer zu haben. Es hat einfach Spaß gemacht, mit diesem Krach ein bisschen anzuecken. Und nicht zuletzt war da die ungeheure Faszination, mit einem Heimcomputer tatsächlich Musik zu machen!

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